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"Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen, und doch werden sie ernährt. Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?
Und fragt nicht: Was sollen wir anziehen? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Trachtet daher zuerst nach dem Reich Gottes, dann wird euch alles andere dazugegeben.
Und wie könnt ihr nach dem Reich Gottes trachten? Indem ihr das Reich Gottes für andere bereitstellt. Indem ihr das Reich Gottes seid, in dem andere Zuflucht und Stärke finden können. Indem ihr das Reich Gottes und alle seine Segnungen denen bringt, deren Leben ihr berührt. Denn was ihr gebt, das werdet ihr bekommen.

Denkt stets daran:
Was ihr gebt, das werdet ihr bekommen
."
(Mt 6,31)
Südtirol Ostern 2006

Da es uns einfach nicht mehr zu Hause hält, müssen wir an Ostern einfach losziehen. Es liegt zwar überall noch sehr viel Schnee, aber das Gebiet zwischen Kalterer See und Bozen in Südtirol kennen wir seit über 15 Jahren.

Die Auswertung der verschiedenen Informationen aus dem Internet ergeben, dass wir mit etwas Schnee rechnen müssen, die Temperaturen sollten nachts -5°C nicht unterschreiten. Als Tour erscheint uns unsere in den letzten Jahren vernachlässigte "Wetterkreuztour" von Tramin bis Eppan, ca. 40km für die ersten zwei Tage realistisch.

Mittwoch Abend übernachte ich bei meinem Bruder in München, schlafe leider die ganze Nacht nicht, vielleicht liegt es an der Aufregung, am Rotwein, an den Straßenlaternen, an der Straßenbahn oder an allem zusammen. Am nächsten morgen komme am Münchner Hauptbahnhof mit meinem 17kg Rucksack kaum die Treppen hoch, aber was soll's, es geht ja nach Südtirol.

Tramin Bushaltestelle - Gruppenphoto
Mit dem ersten EC fahren wir, Karl-Heinz und ich, nach Bozen, von dort aus weiter mit dem Bus nach Eppan, wo Jörg, Renate und ihr Hund Samson zusteigen. In Tramin angekommen erwartet uns ein herrliches Sommerwetter bei 27°C und blauem Himmel.

Unsere Gruppe mit Hund Samson, Frauchen Renate, Herrchen Jörg, Andreas und Karl-Heinz (v.l.n.r)

 

Kreuzweg Es ist Ostern, wir folgen dem Kreuzweg an Gründonnerstag, ...

 

Richtung WetterkreuzAuf geht's zum Wetterkreuz unterhalb des Schwarzkopfs und Roen gelegen. Heute wollen wir aber nur bis zu einer Hütte unterhalb des Wetterkreuzes um dort zu nächtigen.

Bis auf eine Höhe von 1250m kühlt es deutlich ab. Wir freuen uns über die ersten Schneereste. Danach nimmt der Schnee schnell zu und bald sinken wir regelmäßig im bis zu 50cm tiefen Schnee ein. Bis zu unserem geplanten Rastplatz ist es aber nicht mehr weit. Dort liegt wunderschöner Schnee. Wir trampeln eine Fläche für unser Zelt nieder und der Aufbau bereitet auch auf dem Schnee keine Probleme. Die Anstrengungen des Aufstiegs werden mit einem herrlichen Ausblick in Richtung Rosengarten belohnt. Als es dunkel wird steigt darüber ein gigantischer Vollmond auf.

AbendessenRenate stopert über den verschneiten Grill. So können wir mit dem bei der Hütte gelagerten Feuerholz ein schönes Feuer entfachen, an dem wir uns wärmen und Schnee auftauen können. Gut gelaunt bereiten wir unser Abendessen (Miraculi) zu und geniesen den mitgeschleppten Rotwein.

Die Nacht verläuft für alle etwas schlaflos Karl-Heinz hat einfach zu viel getrunken und rennt die ganze Nacht aus dem Zelt, so daß ich auch nicht einschlafen kann. Außerdem kann ich bei Vollmond sowieso nicht schlafen. Samson ist leider ein Wohlstandshund und ist die Geräusche der Natur nicht gewohnt. So muß er mitten in der Nacht bellend auf sein Frauchen springen. Die Schreie hörten sich an, als ob jemand zerfleischt wurde.Zelten im Schnee

Egal, am nächsten Tag geht es mehr oder weniger frohgemut Richtung Schwarzkopf. Dort liegt so viel Schnee, dass jetzt die Frage ansteht, den Weg über den Roen oder über den Gamssteig zu nehmen. Da auf dem Roen keine Bäume mehr existieren und so keine Markierungen sichtbar sind, entscheiden wir uns den Gamssteig zu nehmen. Auf Grund des Tiefschnees ist dort zwar auch kein Weg mehr erkennbar, aber dank unseres Erinnerungsvermögens und des hervorragenden Wetters finden wir jede Markierung, die auf Bäumen angebracht ist. Nach vier Stunden Tiefschnee, ca. 1 Stunde vor der Überetscher Hütte kommen wir an ein kritisches Teilstück: schmale Wege am Abgrund, mit Seilen gesichert. Hier kommt die böse Überraschung, ein Erdrutsch hat den Weg unpassierbar zerstört. Ein Mensch hätte sich, allerdings unter Lebensgefahr, noch am Seil entlang hangeln können, der Hund hätte jedoch keine Chance. Nach Analyse der Situation von Jörg und mir, müssen wir die Hiobsbotschaft Renate und Karl-Heinz überbringen: umkehren.

Es geht wieder vier Stunden durch den Tiefschnee, nur diesmal bergauf. Der Rückweg ist beschwerlich. Die Motivation auf einem Nullpunkt Abendessenangelangt. Ich nehme noch drei Kilogramm aus Karl-Heinzs Rucksack, muss aber immer wieder kurze Pausen einlegen und tief durchatmen. Unsere Trinkwasservoräte, welche schon aufbebraucht waren, fülle ich an einem Wasserfall zu dem ich klettere wieder auf. Leider zerstört Karl-Heinz bei einem unfreiwilligen Abgang im Schnee eine PET-Flasche, welche sich durch sein Hosenbein in sein Schuh ergießt. Ziemlich entkräftet erreichen wir wieder den Schwarzkopf. Direkt am Abgrund liegt auf Grund der Sonneneintstrahlung kein Schnee. Dort bauen wir unser Zelt auf.

Da Jörg und Renate kein Zelt dabei haben, wollen sie ihr Tarp etwas weiter vom Abgrund entfernt aufstellen. Samson scheint völlig fertig auf dem Boden zu liegen. Als ich an ihm vorbei laufen will, springt er plötzlich auf und verbeißt sich in meinem Arm. Meine Gore-Tex Jacke hält aber alles ab. Darauf beschließt Renate noch weiter abzusteigen. Zwei Stunden später erreicht sie mit Jörg den ursprünglichen Übernachtungsplatz.

Karl-Heinz und ich bleiben auf dem Schwarzkopf. Unser Problem: Wir haben nur für einen Tag essen geplant und so fast nichts mehr zu essen dabei. Wir hatten auch den ganzen Tag außer ein paar Müsliriegel nichts gegessen. Jörg und Renate haben noch ein wenig dabei und lassen und eine Packung Schinken und 6 Eier da. Als Vegetarier besteht mein Abendessen aus 6 Spiegeleiern. Karl-Heinz bleibt der Schinken und noch zwei Schokoriegel. Seitdem ich Karl-Heinz kenne, ist ihm eigentlich immer zu heiß. Er schläft bei 12°C völlig ohne Schlafsack im Zelt, läuft in kurzer Hose und T-Shirt bei Schneeregen und Sturm während wir in unsere Gore-Tex Jacken eingehüllt sind und freut sich, dass erKarl-Heinz kurz vor dem erfrieren und verhungen endlich mal nicht schwitzt. Heute sehe Karl-Heinz sich alles anziehen, was er dabei hat, hüllt sich in sein Schlafsack und "zittert wie ein Schneiderlein". Trotz seiner von mir geschätzten 15kg Übergewicht, hat Karl-Heinz, glaube ich, ernsthafte bedenken, zu verhungern. Ich mit meinem - nach deutscher Norm - 15kg Untergewicht verspüre eigentlich gar keinen wirklichen Hunger.

Die Nacht verläuft stürmisch, wir fühlen uns aber im Zelt jederzeit sicher und geborgen. Nach den zwei schlaflosen Nächten und den Anstrengungen können wir beide gut schlafen.

Am nächsten Tag stellen wir fest, dass Karl-Heinz sich am Vortag, beim einsinken im Tiefschnee (bis zur Hüfte), das Knie verdreht hat. Ein Abstieg nach Tramin erscheint auf Grund der Länge und Steilheit für unmöglich. So müssen wir uns in unbekanntes Terrain Richtung Abstieg vom Schwarzkopf nach ItalienItalien durchschlagen. Hier erscheint auf Grund der Karte der Weg kürzer und wesentlich weniger Steil. Ich übernehme wieder ein Teil von Karl-Heinzs Ausrüstung und spure den Weg vor ihm, so weit es geht. Der Weg ist nicht sonderlich spektakulär, wir wollen aber nur noch die eingezeichnete Hütte erreichen, die an einer Straße liegt.

Gegen späten Nachmittag erreichen wir das Restaurant und können uns mit etwas italienisch, englisch und Zeichensprache gut verständigen. Wir essen eine Kleinigkeit und versuchen die Telefonnummer des Hotels auf dem Penegal herauszufinden. Wie kommen wir nur auf die Idee, das Hotel könnte ausgebucht sein? Nach den Strapazen erscheinen uns zwei Tage im Hotel zum erholen angemessen zu sein.

Ab jetzt beginnt der Luxusurlaub: Das Taxi, welches uns zum Penegal bringt ist ein Jaguar mit einem sehr sportlichen Fahrer. Im Hotel genießen wir das 5 Gänge Menü zum Abendessen. Jörg und Renate sind zu diesem Zeitpunkt schon wieder zu Hause. Die nächsten zwei Tage genießen wir das Frühstücks-Büffet, machen einen Tagesausflug zum Mendelpass. Auch Dampfbad, Sauna und Schwimmbad werden ausgiebig getestet.Hotel Penegal

Der Abstieg nach Eppan über die Furglauer Schlucht erweist sich auf Grund der Knieprobleme von Karl-Heinz nochmal als sehr anstrengend, kommen aber noch früh genug an, um vor der Busfahrt noch Bozen noch ein schönes Essen einnehmen zu können. In Bozen ist mittlerweile der Frühling ausgebrochen. Es ist sehr warm und alles blüht in den wunderschönsten Farben. Wir geben unsere Rucksäcke am Bahnhof ab und genießen Bozen noch vier Stunden. Mit dem letzten EC fahren wir zurück nach München.

 
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last change: 05.11.2007 Impressum - Haftungsausschluss