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Auch ein ausgedehntes Frühstück halft nicht. Es regnete sich langsam ein. Also schnell
abbauen und in die Regenklamotten. Wir entscheiden uns heute den Mendelkamm vorzuziehen, da wir hier nicht so
viele Höhenmeter zurücklegen müssen. Außerdem verspreche ich viele Einkehrmöglichkeiten.
Als wir losziehen wollen, weiß
ich, warum ich die zweite Trekkinghose
eingepackt habe. Joe hat nur eine Jeans dabei
und die droht jetzt sehr unangenehm nass zu
werden um dann garantiert nicht mehr zu
trocknen. Also bekommt er für den Rest der Tour
meine zweite Hose. Ist natürlich etwas zu eng,
mit einem Gürtel geht's aber schon.
Der Weg ist bei diesem trostlosen Wetter erst mal nicht so berauschend, denn viele hohe Nadelbäume
versperren die Sicht.
Bisher bin ich den Mendelkamm an dieser Stelle
immer nur in die andere Richtung gelaufen, die
sehr angenehm ist, da es in erster Linie eben
oder bergab geht. Jetzt aber müssen die ca. 300
Höhenmeter zum Penegal nach oben zurückgelegt
werden.
Am Penegal angekommen die
nächste Enttäuschung bei kaltem Wind und Regen:
Das Serafino Hotel ist geschlossen und
verlassen. Unser zweites Frühstück besteht daher
wieder aus getrocknetem Obst und Nüssen. Es ist
zwar nicht ganz so warm wie wir es uns
vorgestellt haben, dafür eine herrliche Aussicht
und viel frische Luft.
Es hilft alles nichts, weiter
geht's, damit wir wenigstens am Mendelpass noch
etwas zum Mittagessen bekommen. Da wir schon
spät dran sind, nehmen wir nach dem Hotel die
Abkürzung über die Straße. Eine gute Stunde
später sind wir dann auch am Mendelpass
angekommen, wo wir uns sofort in mein Stammlokal
begeben. Dort gibt es besten Spaghetti Napoli,
von denen ich heute aber nur eine Portion
verspeise anstatt die sonst üblichen zwei.
Außerdem die seit 15 Jahren nicht alternde Oma,
die uns freundlich wie immer bedient. Die
Bergluft muss schon sehr gesund sein.
Am Supermarkt frischen wir
unsere Vorräte wie geplant auf. Für das sonst
obligatorische Shopping ist heute keine Zeit
mehr und so geht's weiter zur Halbweghütte, wo
ich auf eine Buchweizentorte oder einen
Apfelstrudel spekuliere.
Aber auch vom Mendelpass zur
Halbweghütte kommt nochmal eine kurze aber
giftige Steigung und so brauchen wir auch hier
sehr viel mehr Zeit als veranschlagt und
erreichen die Halbweghütte gegen kurz nach
sechs. Offenbar war heute schon Betrieb, nur
mittlerweile ist zu, so dass uns wieder nichts
anderes übrig bleibt, als unsere Wasservorräte
am Brunnen aufzufüllen und uns auf die Suche
nach einem Platz für die Nacht zu machen.
Den ursprünglichen Plan, noch
bis zum Roen und Schwarzkopf zu laufen habe ich
schon abgeschrieben und so werden wir auch der
überetscher Hütte keinen Besuch abstatten
können. Dafür bietet sich der Präzöllsteig an,
den ich auch noch nie abwärts gelaufen bin.
Kurze Zeit später finden wir am Abzweig zum
Steig einen herrlichen Zeltplatz mit einer
fantastischen Aussicht, einer Bank und einem
Tisch.
Doch zunächst heißt es Zelte
aufbauen. Jetzt bemerke ich, dass ich heute
morgen etwas falsch gemacht habe. Schließlich
bin ich zum ersten mal beim zelten in so einen
Regen gekommen. Ich habe zwar schon oft genug
gelesen, dass bei nassem Außenzelt das Innenzelt
separat verpackt wird, aber anscheinend lernt
man durch Fehler einfach besser. So legen wir
die Rettungsdecke auf den Zeltinnenboden und
öffnen alle Lüftungsmöglichkeiten, damit das
Zelt noch ein wenig trocknen kann. Weiter stelle
ich auch noch fest, dass ein separates verpacken
auch nicht geholfen hätte, denn meine
ultraleichten Packsäcke sind nicht wasserdicht,
so dass der ganze Rucksackinhalt leicht
durchfeuchtet. Ist aber mal wieder ein Grund
neue Ausrüstung zu kaufen und ich habe auch
schon ultraleichte wasserdichte Packsäcke
gefunden.
Jetzt gibt's endlich
Abendessen. Wir gönnen uns ein drei Gänge Menü
mit Nudelsuppe als Vorspeise, Spaghetti
Al'Arabiata als Hauptspeise und zur Nachspeise
noch ein paar getrocknete Früchte. Geschafft,
aber äußerst gut gelaunt beschließen wir den
Tag. Später erzählt mir Tanja, dass sie an
diesem Abend glücklich wie ein kleines Kind in
ihrem Schlafsack gelegen ist. Der fantastische Sternenhimmel lässt auf
eine kalte Nacht, dafür auf einen schönen
nächsten Tag hoffen.
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